Gib bitte deine Spannweite in Zentimetern ein. Messe hierzu im geraden Stand mit seitlich ausgestreckten (nicht überstreckten!) Armen die Spannweite von Mittelfingerkuppe zu Mittelfingerkuppe.
Stelle dich gerade hin, strecke die Arme seitlich waagerecht aus (nicht überstrecken!). Miss die Distanz von der Spitze des einen Mittelfingers zur Spitze des anderen Mittelfingers.
Hinweis: Dies sind Richtwerte. Die exakte Auszugslänge und Pfeillänge kann individuell leicht abweichen und hängt auch von der persönlichen Haltung und dem Ankerpunkt ab. Eine Überprüfung und Feinabstimmung durch einen erfahrenen Schützen oder im Fachhandel wird empfohlen.
In diesem Ratgeber erfährst du, wie du deine Auszugslänge präzise bestimmst, welche Messmethoden sich für Einsteiger eignen und warum dieser Wert bei Compoundbögen millimetergenau stimmen muss. Mit praktischen Tabellen, Schritt-für-Schritt-Anleitungen und bewährten Faustregeln findest du garantiert die richtigen Werte für deine Ausrüstung.
Die Auszugslänge (häufig auch: Draw Length) bezeichnet den standardisierten Abstand zwischen zwei definierten Punkten am Bogen bei Vollauszug. Genauer der Abstand vom Nockpunkt auf der Sehne und dem tiefsten Punkt im Griffstück, dem sogenannten Pivot-Punkt. Diese Messung erfolgt nach dem internationalen AMO-Standard (Archery Manufacturers Organization), der heute als ATA-Standard (Archery Trade Association) fortgeführt wird.
Entscheidend ist: Zum gemessenen Wert werden standardmäßig 1¾ Zoll (44,5 mm) addiert. Diese Konstante wurde eingeführt, um Unterschiede bei Griffprofilen auszugleichen. Bei traditionellen Holzgriffstücken entspricht dieser Wert der durchschnittlichen Griffdicke vom Pivot-Punkt zur Bogenvorderseite.
Beispiel: Wenn du vom Nockpunkt zum Pivot-Punkt 26¼ Zoll misst, beträgt deine AMO-Auszugslänge 28 Zoll (26,25″ + 1,75″ = 28″). Dieser Wert gilt international als Standardauszug, auf den alle Zuggewichtsangaben von Bögen bezogen werden.
Deine persönliche Auszugslänge beeinflusst praktisch jeden Aspekt deines Setups:
Es existieren mehrere bewährte Methoden zur Auszugsbestimmung. Jede hat ihre Stärken und Schwächen. Für Einsteiger empfiehlt sich die Kombination aus dem schnellen Messen der Armspannweite zur ersten Orientierung und einer präzisen Messpfeil-Messung im Fachhandel oder Verein.

Die Armspannweite-Methode ist die schnellste und einfachste Variante, um einen ersten Richtwert zu ermitteln. Du benötigst lediglich ein Maßband und eine zweite Person zum Ablesen.
Hinweis: Diese Methode liefert einen Richtwert mit ±0,5-1 Zoll Abweichung. Für den ersten Bogenkauf ist das völlig ausreichend. Die Genauigkeit liegt bei etwa 95% der Menschen im akzeptablen Bereich.
Schritt-für-Schritt-Anleitung:
Beispielrechnung: Bei einer Armspannweite von 180 cm ergibt sich: 180 ÷ 2,5 = 72 cm → 72 ÷ 2,54 = 28,3 Zoll
Du benötigst:
So funktioniert’s:
Diese Methode sollte idealerweise unter Anleitung eines erfahrenen Trainers durchgeführt werden, da Anfänger oft unbewusst eine verkrampfte Haltung einnehmen.
Die Wandmethode simuliert die Schießposition ohne Bogen und eignet sich für eine schnelle Selbstmessung zuhause.
Durchführung:
Diese Methode erreicht eine Genauigkeit von ±0,5 Zoll und liegt damit zwischen Armspannweite und Messpfeil.
| Methode | Genauigkeit | Wann nutzen? |
|---|---|---|
| Messpfeil | ±0,25″ | Finaler Check im Fachhandel/Verein |
| Armspannweite | ±0,5-1″ | Erste Orientierung für Bogenkauf |
| Wandmethode | ±0,5″ | Schnelle Selbstmessung zuhause |
Die Bedeutung der Auszugslänge variiert erheblich je nach Bogentyp. Während Recurvebögen eine gewisse Toleranz bieten, ist bei Compoundbögen millimetergenaue Präzision erforderlich.
Beim Recurvebogen existiert kein mechanischer Stopp. Du bestimmst den Auszug selbst durch deine Technik und deinen Ankerpunkt. Das macht diesen Bogentyp toleranter gegenüber leichten Abweichungen, hat aber direkte Auswirkungen auf das effektive Zuggewicht.
Die Berechnung des Zuggewichts erfolgt nach dieser Formel: (Bogengewicht bei 28″ ÷ 20) × Auszugsabweichung in Zoll = Gewichtsänderung
Praktisches Beispiel: Ein Bogen mit 42 lbs bei 28 Zoll Standardauszug wird bei nur 25½ Zoll Auszug deutlich schwächer: 42 ÷ 20 × 2,5 = 5,25 lbs weniger. Du ziehst also effektiv nur 36,75 lbs. Pro Zoll Auszugsänderung verändert sich das Zuggewicht um 2-3 Pfund.
Ebenso kritisch ist die Wahl der Bogenlänge. Ein zu kurzer Bogen führt zum sogenannten Stacking. Das Zuggewicht steigt gegen Ende des Auszugs überproportional an.
Bogenlängen-Empfehlung nach Auszug:
| Auszugslänge | Empfohlene Bogenlänge |
|---|---|
| unter 25″ | 64″ |
| 25-27″ | 66-68″ |
| 27-29″ | 68″ |
| 29-31″ | 68-70″ |
| über 31″ | 70″ |

Warum Präzision entscheidend ist:
Beim Compoundbogen definiert der mechanische „Stopp“ das Ende des Auszugs. Dieser „Stopp“ wird durch einen sogenannten „Draw-Stop“ erreicht. Dabei handelt es sich um ein kleines Bauteil an der Cam des Compoundbogens, das durch das Anschlagen am Wurfarm den Auszug definiert. Eine falsche Einstellung hat hier sofortige Folgen.
Beim Compoundbogen muss die Auszugslänge präzise eingestellt werden. Der mechanische Back Wall (Rückwand) definiert einen festen Anschlag am Vollauszug. Diese Eigenschaft macht den Compoundbogen effizienter, aber auch kompromissloser bei Fehleinstellungen.
Das Valley bezeichnet den Bereich der Kraft-Weg-Kurve direkt vor dem Vollauszug, wo das Zuggewicht durch das Rollensystem auf das Minimum (Let-off) abfällt.
Einstellmöglichkeiten bei Compoundbögen:

Praxis-Tipp: Viele Hersteller kennzeichnen Module ½-1 Zoll kürzer als der reale Auszug. Dies dient der IBO-Speed-Optimierung. Eine Überprüfung auf dem Drawboard ist empfehlenswert: Vom Pivot-Punkt zur Mittenbedienung messen, plus 1¾ Zoll ergibt die reale AMO-Auszugslänge.
Bei traditionellen Bögen gilt grundsätzlich der gleiche AMO-Standard, doch die Toleranz ist größer. Der Auszug bestimmt hier primär die Mindest-Bogenlänge. Ein 31-Zoll-Auszug erfordert bei einem Selfbow mindestens 74 Zoll Bogenlänge, um Stacking und Bruchgefahr zu vermeiden.
Die bewährte Faustregel lautet:
Minimale Bogenlänge = Auszugslänge x 2,5
Ein längerer Bogen schießt ruhiger, verzeiht Technikfehler besser und erzeugt weniger Handshock. Anfänger sollten im Zweifel immer den längeren Bogen wählen.
Die klassische Faustregel lautet:
Pfeillänge = Auszugslänge + 1 Zoll Sicherheitszuschlag
Dieser Zuschlag ist sehr wichtig und sollte niemals unterschritten werden.
Empfehlung nach Erfahrungslevel:
Ein zu kurzer Pfeil kann bei Vollauszug von der Auflage fallen und so zu schweren Verletzungen führen. Doch es gibt weitere triftige Gründe für den Sicherheitszuschlag.
Sicherheitshinweis: Im Zweifel immer länger kaufen! Ein Zoll zu lang ist besser als ein Millimeter zu kurz. Die Gefahr schwerer Verletzungen durch zu kurze Pfeile wird häufig unterschätzt.
Die folgende Tabelle liefert Durchschnittswerte für eine schnelle erste Orientierung. Sie ersetzt nicht die individuelle Messung, gibt dir aber einen soliden Ausgangspunkt für die Bogenauswahl.
| Körpergröße | Auszug (ca.) | Recurve-Bogen | Pfeillänge* |
|---|---|---|---|
| 151-160 cm | 23-25″ | 64″ | 24-26″ |
| 161-167 cm | 25-27″ | 66″ | 26-28″ |
| 168-175 cm | 27-29″ | 68″ | 28-33″ |
| 176-185 cm | 29-31″ | 68-70″ | 33-32″ |
| über 185 cm | 31+“ | 70″ | 32-33+“ |
Wichtiger Hinweis: Diese Werte sind Durchschnitte! Menschen mit überdurchschnittlich langen Armen, kurzen Fingern oder besonderen Körperproportionen weichen erheblich ab. Die individuelle Messung bleibt unersetzlich.
Kinder und Jugendliche sollten alle 3-6 Monate nachgemessen werden. Durch Körperwachstum verändert sich die Auszugslänge kontinuierlich. Moderne Compoundbögen mit großem Verstellbereich (z.B. 19-31 Zoll) wachsen mit und vermeiden teure Neukäufe.
Bei Kindern ist konservatives Entscheiden besonders wichtig. Lieber einen Pfeil zu lang als auch nur einen Millimeter zu kurz. Die motorischen Fähigkeiten entwickeln sich, der Auszug verlängert sich oft rapide.
Selbst erfahrene Bogenschützen machen gelegentlich Fehler bei der Auszugsbestimmung. Diese fünf Fallstricke solltest du kennen.
1. Nur nach Tabellen kaufen
Tabellen basieren auf Durchschnittswerten. Menschen mit ungewöhnlichen Proportionen (etwa sehr lange Arme bei normaler Körpergröße) können um 2-3 Zoll von den Tabellenwerten abweichen.
Lösung: Tabelle nur als erste Orientierung nutzen, dann individuell messen.
2. Armspannweite überstrecken
Beim Messen strecken viele reflexartig ihre Arme maximal aus. Das verfälscht den Wert um mehrere Zentimeter nach oben.
Lösung: Arme entspannt und natürlich ausstrecken, nicht übertreiben.
3. Mit zu starkem Bogen messen
Bei Bögen über 30 Pfund können Anfänger keine korrekte Haltung einnehmen. Das Ergebnis ist ein zu kurz gemessener Auszug, weil der Körper Fehlstellungen kompensiert.
Lösung: Immer einen leichten Übungsbogen (20-25 lbs) für die Messpfeil-Methode verwenden.
4. Ohne Sicherheitszuschlag Pfeile kaufen
Der kalkulierte Auszugswert direkt als Pfeillänge zu nehmen, ist gefährlich. Bei Technikverbesserung oder schwankender Form verlängert sich der Auszug.
Lösung: Immer +1 bis +2,5 Zoll Sicherheitszuschlag einplanen.
5. Nach Jahren nicht nachmessen
Die Auszugslänge ist kein statischer Wert. Technikänderungen, Muskelaufbau oder Verletzungen beeinflussen den Auszug.
Lösung: Jährliche Kontrolle, besonders nach Trainerkursen oder längeren Pausen.
Die Auszugslänge beeinflusst indirekt den benötigten Spinewert (Pfeilsteifigkeit) über zwei Mechanismen. Erstens ändert sich bei Abweichung vom 28-Zoll-Standard das effektive Zuggewicht. Zweitens verhalten sich längere Pfeile dynamisch weicher als kürzere.
Als Faustregel gilt: ±5 Pfund pro Zoll Pfeillängenänderung beim benötigten Spine. Ein Schütze mit 30 Zoll Auszug und entsprechend langen Pfeilen benötigt bei gleichem Zuggewicht einen steiferen Pfeil als bei 28 Zoll Auszug.
Spine-Rechner im Internet berücksichtigen diese Faktoren automatisch. Die endgültige Abstimmung erfolgt jedoch immer über den Blankschafttest. Das Schießen unbefiederter Pfeile auf kurze Distanz zur Beurteilung des Pfeilflugs.
Ja! Bei Technikverbesserung verlängert sich der Auszug oft um 1-2 Zoll, da mehr Rückenspannung aufgebaut wird. Auch Muskelaufbau, Verletzungen oder Änderungen am Ankerpunkt beeinflussen den Wert. Erwachsene sollten jährlich kontrollieren, Kinder alle 3-6 Monate wegen des Wachstums.
Nein, deine persönliche Auszugslänge bleibt konstant. Sie ist eine Eigenschaft deines Körpers und deiner Technik. Nur die Bogeneinstellung (bei Compound) oder Wahl der Bogenlänge (bei Recurve) muss angepasst werden. Beim Bogentypwechsel solltest du jedoch zur Sicherheit nachmessen, da unterschiedliche Ankerpunkte den Wert leicht ändern können.
Eindeutig die Messung! Tabellen zeigen Durchschnittswerte für durchschnittliche Körperproportionen. Menschen mit langen Armen bei normaler Körpergröße, kurzen Fingern oder ungewöhnlichen Schulterverhältnissen weichen stark ab. Nutze Tabellen für die erste Orientierung beim Online-Kauf, aber messe spätestens im Fachgeschäft präzise nach.
Die Häufigkeit der Nachmessung hängt von deiner individuellen Situation ab. Kinder und Jugendliche sollten alle 3-6 Monate kontrollieren lassen, da sich durch das Körperwachstum die Auszugslänge kontinuierlich verändert. Erwachsene Anfänger profitieren von einer Nachmessung nach 6-12 Monaten, wenn sich die Schusstechnik stabilisiert hat und möglicherweise mehr Rückenspannung aufgebaut wurde. Fortgeschrittene Schützen sollten jährlich kontrollieren oder unmittelbar nach signifikanten Technikänderungen wie Trainerkursen oder Umstellungen des Ankerpunkts. Nach Verletzungen (besonders im Schulter- oder Rückenbereich) ist eine sofortige Kontrolle ratsam, da sich die Körperhaltung und damit auch der Auszug verändern kann.
AMO steht für „Archery Manufacturers Organization“ und bezeichnet den internationalen Messstandard für Auszugslängen. Er definiert, dass zum gemessenen Abstand (Nockpunkt zu Pivot-Punkt) immer 1¾ Zoll addiert werden. Alle Zuggewichtsangaben auf Bögen beziehen sich auf den AMO-Standard von 28 Zoll. Heute wird der Standard als ATA (Archery Trade Association) fortgeführt.
Die korrekte Auszugslänge ist keine einmalige Messung, sondern ein dynamischer Wert, der sich mit Technikentwicklung, Körperwachstum und Materialwechsel verändert. Anfänger sollten mit der schnellen Armspannweite-Formel starten. Sie liefert einen Richtwert mit ±1 Zoll Genauigkeit, der für den ersten Bogenkauf völlig ausreicht.
Die präzise Bestimmung per Messpfeil unter fachkundiger Anleitung ist der entscheidende Schritt zur optimalen Abstimmung. Besonders bei Compoundbögen ist millimetergenaue Einstellung alternativlos, hier entscheiden Millimeter über Form und Trefferleistung. Recurve- und Traditionsschützen genießen mehr Spielraum, profitieren aber ebenfalls von korrekter Kenntnis ihres Auszugs für Bogenlänge, Pfeillänge und Spine-Wahl.
Die wichtigste Regel bleibt: Sicherheit geht vor Perfektion. Ein Zoll zu lang ist besser als ein Millimeter zu kurz. Plane bei Pfeilen immer 1-2,5 Zoll Sicherheitszuschlag ein, besonders als Anfänger. Pfeile können nachträglich gekürzt, aber niemals verlängert werden.
Die 15 Minuten für eine korrekte Auszugsmessung sind die beste Investition in deine Bogensport-Karriere. Du vermeidest Fehlkäufe, Frust und Verletzungen, und holst das Maximum aus deinem Equipment heraus.
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