Die Spannschnur gehört nicht gerade zu den beliebtesten Zubehörteilen im Bogensport. Sie ist lang, kann sich verknoten und ihre Verwendung wirkt auf den ersten Blick aufwendig. Entsprechend entscheiden sich Kunden ohne vorherige Beratung gerne erst einmal nicht für den Kauf einer Spannschnur.
In Gesprächen vor Ort weise ich dann aber gerne darauf hin, welche Folgen es haben kann, wenn du auf die Verwendung einer Spannschnur verzichtest. Warum sie so wichtig ist und was passieren kann, wenn du keine Spannschnur verwendest, möchte ich dir in diesem Ratgeber näherbringen.
Bei einer Spannschnur handelt es sich meist um eine stabile Schnur, an deren Enden sich Taschen bzw. Schlaufen befinden. Sie unterstützt dich dabei, die Sehne deines Bogens korrekt auf- bzw. auch wieder abzuspannen.
Dazu werden die Taschen bzw. Schlaufen über die Enden der Wurfarme gestülpt. An einer Seite wird nun auch schon die eigentliche Sehne des Bogens aufgezogen. Die Schnur zwischen den beiden Enden hängt nun durch, da sie länger als der eigentliche Bogen ist.
Der Bogenschütze nimmt nun seinen Bogen mittig am Griffstück in die Hand und tritt mit beiden Füßen auf die durchhängende Spannschnur. Bei gleichzeitigen Anheben des Bogens entsteht eine Spannung und die Wurfarme deines Bogens bieten sich.
Jetzt hast du die Möglichkeit, die eine Seite der Sehne, die noch nicht aufgezogen wurde, auf das Ende des Wurfarms (dem Tip) aufzuziehen. Jetzt sollte bei korrekter Durchführung der Bogen komplett und korrekt aufgespannt sein.
Wichtig: Die Spannschnur kann nur mit Recurve-, Lang- und Hybridbögen verwendet werden. Compoundbögen sind mit diesem Hilfsmittel nicht verwendbar.
Sowohl unseren Kunden als auch dir rate ich dringend, eine Spannschnur zu verwenden. Denn bei Benutzung gewährleistest du, dass die Wurfarme des Bogens automatisch gleichmäßig belastet werden. Zusätzlich verhinderst du, dass seitliche Verdrehen der Wurfarme, wie es schnell bei der nicht empfohlenen Durchsteigetechnik (auch Step-Through-Methode) schnell passieren kann.

Dieses seitliche Verdrehen kann zu dauerhaft verzogenen Wurfarmen führen. Dies zeigt sich, wenn du den Bogen ausziehst, dann aber nicht schießt, sondern wieder langsam löst und entspannst. Sollte die Sehne nun nicht mehr mittig in der Sehnenkerbe liegen, sondern seitlich davon, kannst du von einem verdrehten Wurfarm ausgehen.
Hierbei handelt es sich um einen nicht mehr korrigierbaren Defekt. Und da es sich um einen Benutzerfehler handelt, greift auch nicht die Gewährleistung des Herstellers bzw. des jeweiligen Händlers. Der Kauf neuer Wurfarme (bei Take-Down) bzw. eines neuen Bogens (One-Piece) steht nun an.
Spätestens jetzt wirst du feststellen, wie wichtig die Spannschnur ist, und dass die vergleichsweise geringe Investition von ca. 10-20 EUR sinnvoll gewesen wäre.
Die Vorteile einer Spannschnur
Nicht jeder Bogen benötigt eine Spannschnur, bzw. kann mit dieser gespannt werden. Folgende Tabelle bietet dir eine kompakte Übersicht.
| Bogentyp | Spannhilfe nötig? | Alternative |
|---|---|---|
| Recurvebogen (dreiteilig) | Ja | Keine sichere Alternative |
| Recurvebogen (einteilig) | Ja | Keine sichere Alternative |
| Langbogen (einteilig) | Ja | Erfahrene Schützen: Step-Through-Methode |
| Hybridbogen | Ja | Keine sichere Alternative |
| Compoundbogen | Nein | Bogenpresse zwingend erforderlich |
Wichtig für Compoundschützen: Funktioniere niemals eine einfache Spannschnur für die Verwendung mit einem Compoundbogen um. Greife hier auf die dazu vorgesehenen Bogenpressen zurück, die zum Tausch von Sehne und Kabel genutzt werden sollten.
Es gibt grundsätzlich zwei verschiedene Arten, die du zum Spannen deines Bogens verwenden kannst.

Dieses Modell gehört zu den am weitesten verbreiteten Varianten auf dem Markt. An einem Ende hat sie eine geschlossene Tasche, und auf der anderen Seite findest du eine offene Schlaufe, die über den Wurfarm gelegt wird. Dieses Modell kann sowohl für Lang- als auch Recurvebögen verwendet werden.
Vorteile:
Nachteile:

Wenn du ausschließlich mit einem Langbogen schießt, solltest du auf dieses Modell setzen. Es verfügt über zwei geschlossene Taschen, die sich perfekt über die Enden deines Langbogens stülpen lassen, und verhindern ein versehentliches Verrutschen einer offenen Tasche auf den sehr geraden Wurfarmen deines Langbogens.
Vorteile:
Nachteile:
Der Spannvorgang von Recurve- und Langbogen weicht ein wenig ab, daher zwei verschiedene Anleitungen, nacheinander folgend.
Nach dem Spannvorgang des Recurvebogens findest du nun die Anleitung für den Langbogen.
Sowohl mit als auch ohne kannst du viele Fehler beim Spannen deines Bogens machen. Finde folgend die 4 häufigsten Fehler und versuche, diese möglichst zu vermeiden.
Häufig gestellte Fragen
Grundsätzlich ja, praktisch rate ich aber dringend davon ab. Die Step-Through-Methode birgt ein viel zu hohes Risiko verdrehte und beschädigte Wurfarme. Selbst erfahrene Bogenschützen sollten immer eine Spannschnur verwenden.
Nein, definitiv nicht. Compoundbögen benötigen eine spezielle Bogenpresse. Die Cams und Kabel stehen unter so extremer Spannung, dass eine Spannschnur nicht funktioniert und gefährlich wäre.
Bei regelmäßiger Nutzung (2-3x pro Woche) hält eine hochwertige Spannhilfe etwa 2-3 Jahre. Ersetzen solltest du sie, wenn Nähte aufgehen, Material spröde wird, Taschen Risse zeigen oder die Schnur ausgefranst ist. Eine Sichtkontrolle ist empfehlenswert.
Theoretisch möglich, aber nicht empfohlen. Das Sicherheitsrisiko durch ungeeignete Materialien (z.B. zu dünne Schnüre, nicht gepolsterte Taschen) ist zu hoch. Kommerzielle Spannhilfen sind speziell entwickelt und getestet. Für 10-15 EUR lohnt sich das Risiko nicht.
Wie wir festgestellt haben, ist die Spannhilfe ein unverzichtbares Hilfsmittel. Sowohl Einsteiger als auch Profis sollten sie immer zusammen mit ihrem restlichen Zubehör greifbar haben. Die Investition von 10-20 EUR schützt deinen Bogen vor teuren Schäden durch verdrehte Wurfarme, die schnell mehrere 100 EUR in der Neuanschaffung kosten können. Mit etwas Übung wird das Auf- und Abspannen zur simplen Routine, die nur wenige Sekunden dauert.
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